Am 13.07.2022 fand ein erstes Vernetzungstreffen zwischen Engagierten aus der Klimagerechtigkeitsbewegung mit Beschäftigten der Erfurter Verkehrsbetriebe AG und der Erfurter Stadtwerke statt. Organisiert wurde das Treffen von ver.di und der ökosozialistischen Gruppe „Klima und Klasse“ aus Jena.

Wir als Klimanotstands-Zentrum Jena waren ebenfalls dabei und begleiteten die regen Gespräche im Garten hinter der ver.di-Geschäftsstelle in Erfurt. Ver.di stellte neben Sitzgelegenheiten im Schatten Fleisch und Vegetarisches vom Grill sowie Getränke bereit. Hauptthemen waren zum einen die aktuelle Belastung der Mitarbeiter*innen des ÖPNV vor dem Hintergrund des 9€-Tickets sowie die Maßnahmen aus Sicht der Beschäftigten, die für eine gelungene Verkehrswende notwendig wären. Zum Ausdruck kam, dass sich aktuell viele Beschäftigte aus Bus und Bahn aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens physisch und psychisch belastet fühlen, sie würden wiederholt aus dem Frei geholt werden, weil Kolleg*innen ausfallen. Die Beschäftigten der EVAG, vom Betriebsrat bis zum Fahrer/ zur Fahrerin der Straßenbahnen und Busse gaben zu verstehen, dass sie ihren Beruf vor dem Hintergrund der Klimakrise auch bzw. vorrangig als Klimaschützer*innen verstehen und daher der heutigen Gesprächsrunde nicht nur offen, sondern auch kooperativ gegenüberstehen. Die gemeinsamen Ziele mit der Klimagerechtigkeitsbewegung wurden mehrfach betont, aber auch die Ohnmachtsstellung der Beschäftigten diese Ziele zu erreichen kam wiederholt zum Ausdruck. So fehlt es z.B. der EVAG aktuell an Zuschüssen vom Land Thüringen, um die dringend benötigten neuen Straßenbahnen anzuschaffen und um ausgeschriebenes Fördergeld nicht verfallen zu lassen. Die Mitarbeiter*innen gaben wiederholt zu verstehen, dass der Ausbau der Infrastruktur, sprich Schienennetz, neue Fahrzeuge, Ampelvorrangstellung für Busse und Straßenbahne usw. für sie die Basis jedweder weiteren Maßnahmen in der Verkehrswende darstellt. Sie weisen jedoch hier auf den fehlenden politischen Willen sowohl auf Landes- als auch Bundesebene hin. In diesem Zusammenhang wurde das Thema des Politischen Streiks der Arbeiterschaft aufgegriffen. Mehr zur Geschichte des Politischen Streiks hier: https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/netzdebatte/219308/ein-bisschen-verboten-politischer-streik/ Auch, dass „man sich doch zusammentun müsse“, um die Verkehrswende zu erreichen, kam seitens der Beschäftigen zum Ausdruck.
In Anbetracht der steigenden Inflationsrate sehen die Beschäftigten des ÖPNV als erste Forderung in den neuen Tarifverhandlungen die Anpassung ihrer Gehälter und Löhne, nachdem viele Jahre die Forderungen nach mehr Urlaubstagen und Reduzierung der Arbeitszeit im Vordergrund standen. Aus unserer Sicht, also der Sicht der Nutzer*innen des ÖPNV, bestehen vor allem Forderungen nach einem bezahlbaren Nahverkehr sowie einer guten Stadt-Land-Anbindung.
Kurzum, der ÖPNV braucht dringend Geld für den Ausbau der Infrastruktur, Geld um die bestehenden Mitarbeiter*innen zu halten bzw. neue zu gewinnen sowie den ÖPNV auch über das 9€-Ticket hinaus attraktiv für die Bürger*innen zu halten. Ohne massive Investitionen wird es keine sozial gerechte Verkehrswende geben!

Wir freuen uns auf eine Fortsetzung der Gespräche im Herbst. Hier soll es dann um die Ausarbeitung der konkreten gegenseitigen Unterstützung gehen.

(Bericht von Katja)